Blinkenlights
Berlin, 11. September 2001 - 25. Februar 2002
Zu seinem 20. Geburtstag hatte sich der Chaos Computer Club ein besonderes Geschenk für sich und Berlin einfallen lassen. Daher gab es auf dem Haus des Lehrers am Alexanderplatz vom 11. September 2001 bis zum 25. Februar 2002 eine Lichtinstallation besonderen Ausmasses zu sehen: Blinkenlights (ein Begriff aus dem Jargon File). Blinkenlights war das größte interaktive Computer-Display, daß es bis dahin gegeben hat.
Aus diesem ersten Projekt heraus hat sich die Gruppe Project Blinkenlights gebildet, die in der Folge noch die Installationen Arcade (Paris 2002), Stereoscope (Toronto 2008) und Polychrome (seit 2023) auf die Beine gestellt hat.
Die Idee entstand Mitte August 2001 auf der Rückfahrt von der HAL2001 (Hackers At Large) im niederländischen Enschede. Vom ersten Gedanken bis zum ersten Film auf der Fassade vergingen vier Wochen. Die Installation war auch als Erinnerung an Wau Holland gedacht, den Gründer des Chaos Computer Clubs, der am 29. Juli 2001 gestorben war.
Die oberen 8 Etagen des Hauses wurden durch Einsatz von 144 Strahlern zu einem überdimensionalen Bildschirm umgewandelt. Ein Steuercomputer regelte jede einzelne Lampe getrennt und erzeugte so eine monochrome Matrix mit 8x18 Pixeln.
Die ganze Nacht war auf dem Haus eine stetig wachsende Zahl von Animationen zu sehen. Außerdem bot Blinkenlights auch Interaktives: auf dem Haus konnte man mit dem Mobiltelefon Pong spielen oder seine eigenen Liebesbriefe laufen lassen.
Zum ersten Mal erfolgreich in Betrieb ging Blinkenlights in der Nacht vom 10. auf den 11. September 2001, gegen 1 Uhr. Abgeschaltet wurde die Installation am Morgen des 25. Februar 2002, nach insgesamt 23 Wochen und 6 Tagen; gefeiert wurde der Abschied schon zwei Tage vorher mit der Bye Bye Blinkenlights Party. Während der Laufzeit wurde Blinkenlights stetig weiterentwickelt. Die Software wurde unter GPL als Free Software veröffentlicht. Unser Dokumentationsvideo zeigt in 11 Minuten alle Facetten des Projektes:
Eine hochauflösende Fassung zum Herunterladen steht auf unserer Videoseite. Für die Freunde von Blinkenlights haben wir außerdem einen kleinen Trailer gebastelt [MPEG-4 H.264 Format, 2,8 MB]. Den Soundtrack des Trailers gibt es hier.
Wiederkehr
Ganz vorbei war es damit nicht. Während der Sanierung des Hauses von März 2002 bis Januar 2004 lief Blinkenlights en miniature weiter: auf dem Bauschild vor der Baustelle, mit LEDs und erstmals in Graustufen. Über die Weihnachtsfeiertage 2003 holten wir die Matrix dann mit Blinkenlights Reloaded noch einmal für zwei Wochen auf die echte Fassade zurück.
Danach kam das Haus noch zweimal zum Blinken. Am 2. und 3. Oktober 2004 ließen wir unter dem Namen Blinken-Lite kurzerhand ein pulsierendes Herz über dem Alexanderplatz schlagen. Und ab dem 13. Oktober 2005 lief die volle Installation zum ersten Berliner Festival of Lights rund zwei Wochen lang wieder auf allen 144 Fenstern — mit Pong am Telefon und Filmen zum Einschicken.
Überblick
Mit Blinkenlights konnte man Pong spielen. Mit dem Programm Blinkenpaint konnte man seine eigenen Animationen basteln und damit an unserem Wettbewerb teilnehmen.
Für die Nerds gibt es eine Beschreibung des Blinkenlights Movie Formats und eine Reihe von Werkzeugen zum Erstellen von Filmen. Wer hinter die Kulissen schaut, erfährt einiges zum technischen Aufbau des Systems.
Eine Liste der erschienenen Berichte über Blinkenlights und ein paar interessante Links zu anderen Projekten runden den Überblick ab.
Galerie
Was auf dem Haus lief, ist nicht verloren: Unsere Galerie versammelt mehr als 160 Movies, die für Blinkenlights entstanden sind, gemalt von vielen verschiedenen Leuten mit BlinkenPaint. Jeder Film läuft dort auf einer nachgebauten Fassade des Hauses des Lehrers, so wie er damals am Alexanderplatz zu sehen war. Zu jedem stehen Autor und Werkzeug, und wer mag, lädt ihn als BLM-Datei herunter oder nimmt ihn als animiertes GIF mit.